Google +: Circles Konzept noch nicht ganz ausgereift


Vor knapp zwei Wochen hat Google die Pforten zu dem eigenen Social Network Google+ geöffnet. Noch befindet sich das Ganze in der Beta Phase und das Anmelden klappt selbst mit einer Einladung nicht immer. Eines der neuen Features war Circles. Das sind bestimmte Benutzergruppen, mit denen man die eigenen Kontakte kategorisieren kann. Allerdings ist das Konzept noch nicht ganz ausgereift, wie der folgende Artikel erläutert.

Google Plus: Der Circles Ansatz

Zunächst einmal ist der Ansatz von Google nicht schlecht, denn mit dem Circles Konzept wird der Konstellation von Freundschaften und Bekannschaften in der realen Welt eher Rechnung getragen, als mit der puren Einteilung als „Freunde“, wie es bei einigen antiken sozialen Netzwerken der Fall ist. In der Regel hat man eben nicht nur „Freunde“ sondern bewegt sich in Interessensgruppen (z.B. Hobby und Beruf) und möchte auch mit diesen Interessensgruppen nur bestimmte Informationen teilen. Es interessiert zum Beispiel die meisten meiner Kommolitonen recht wenig, was sich aktuell im Bereich der Suchmaschinenoptimierung tut und durch meine Circles kann ich meine Statusupdates nur den Leuten zugänglich machen, von denen ich der Meinung bin, dass es sie wirklich interessiert. Dazu kann ich bei jedem Statusupdate auswählen, welche Circles die Meldung angezeigt bekommen sollen, oder ob sie „Öffentlich“ ist und somit von allen gesehen wird.

Von Haus aus besitzt man vier Circles:

  • Freunde
  • Familie
  • Bekannte
  • Nur folgen
Standard Circles bei Google Plus

Standard Circles bei Google Plus

Allerdings wird man sich schnell neue Circles zulegen. Bei mir sind das zur Zeit:

  • Abakus
  • DHBW Karlruhe
  • SEO
  • SAP
  • Unbekannte

Gerade der letzte Circle dürfte etwas seltsan anmuten. Der Grund von dessen Gründung ist auch gleichzeitig meine schärfste Kritik an der bisherigen Umsetzung von Circles.

Das Circles Konzept in der Kritik

Um das Problem, was ich gleich schildere, nachvollziehen zu können, muss ich zunächst kurz den sogenannten Stream erklären.

Der Google Plus Main Stream

Der Google Plus Main Stream

Über Streams und Circles

Wie auch bei Facebook werden mir die neusten Nachrichten meiner Freunde in einem Stream angezeigt. In der Defaultansicht befinden sich darin alle Nachrichten aller Kontakte in allen Kreisen, grob chronologisch geordnet (grob deshalb, weil zum Beispiel die Statusupdates neuer Kontakte für eine gewisse Zeit ganz oben angezeigt werden. Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob Google in das Ranking im Stream noch weitere Faktoren einfließen lässt). Man könnte nun statt diesem „Main Stream“ auch nur genau einen Circle auswählen, den man in seinem Stream betrachten möchte – allerdings mache ich davon keinen Gebrauch, denn in der Regel interessieren mich ja alle Nachrichten all meiner Kontakte, sonst hätte ich sie nicht hinzugefügt.

Das Follower-Dilemma

So. Hier wirds problematisch. Zur Zeit adden mich auch eine Menge Leute, die ich nicht kenne und aus deren Profilinformationen man entweder nichts entnehmen kann oder die ich zu keinem Circle zuordnen möchte, weil mich ihre Updates „nicht interessieren“ (no offense, aber ich kenn euch nicht und ihr habt keine Statusupdates an Hand derer ich sehen kann, ob ihr tolle Sachen oder Bilder von euren Frühstückseiern shared ;)). Diese Leute sind allerdings potenziell an meinen Updates interessiert (oder sammeln wahllos Leute in ihren Circles..)  Also was nun? Zu Beginn habe ich den Ansatz gefahren, einfach all diese Leute in den Circle „Unbekannte“ zu adden. Diesen Circle konnte ich dann einfach zu allen Statusupdates dazu packen und habe damit meine „Follower“ (also die, die mich in ihre Circles geaddet haben) erreicht. Das Manko bei diesem Ansatz ist jedoch, dass ich auch sämtliche Statusupdates dieser Leute in meinem Main Stream sehe, denn es gibt zur Zeit keine Möglichkeit, einen einzelnen Circle aus dem Main Stream zu „muten“. Ich kann mir lediglich die Statusupdates meiner Kontakte in genau einem bestimmten Circle anzeigen lassen, aber das hilft mir in dem Fall nicht weiter. Ein Lösungsansatz dazu wäre, dass ich mir einen weiteren Circle „Main Stream“ anlegen würde, in die ich dann einfach alle Leute hinzufüge, deren Updates ich lesen will – aber als Programmierer widerstrebt mir dieser Redundanzansatz zutiefst 😉

Ich bin übrigens nicht der einzige, der sich diesem Problem gegenübersieht. Torsten Maue und Eric Kubitz haben damit ähnliche Erfahrungen gemacht. Mein Lösungsansatz zu diesem Problem ist eigentlich recht simple: Google implementiert einen „Only Follower“ Kreis, dem automatisch alle Leute angehören, die mir „folgen“ wollen, denen ich aber nicht folge (also ganz der Twitteransatz). Diesen Kreis kann ich dann bequem zu den jeweiligen Circles, die mein Update erreichen soll, hinzufügen. Was haltet ihr davon?

Eingecirclet.. say what?

Ein anderes Problem ist wahrscheinlich beim Lesen bereits aufgefallen. Die Benennung „Circles“ ist extrem ungünstig, denn zum einen hört sich die deutsche Übersetzung „Kreise“ sehr bescheiden an und zum anderen lässt sich das Wort auch nicht richtig eindeutschen, dank der Endung auf „cle(s)“. Man kennt das Problem übrigens von Google selbst: „Heute schon gegooglet“ oder doch eher „Heute schon gegoogelt“ 😉 Kein major drawback aber darüber hätte man sich ja mal Gedanken machen können. Martin hat sich diese Frage übrigens auch schon gestellt und das auf die ganze Produktpalette von Google Plus bezogen.

Nichts für Schaulustige

Einen dritten Kritikpunkt habe ich noch, der sich auf den generellen Ansatz von Circles bezieht. Mit Circles muss ich nicht mehr alles für alle preisgeben, sondern kann meine Updates gezielt steuern. Bei Facebook war das nicht so, da haben zumindest meine „Freunde“ so ziemlich alles gesehen. Und genau das ist auch ein wichtiger Erfolgsfaktor von Facebook gewesen. Nicht nur die reine Selbstdarstellung sondern auch die Möglichkeit, alles über die anderen zu erfahren. Glaubt ihr nicht? Dachte ich auch erst, aber fragt mal eure Frauen und Freundinnen… 😉

Circles – Takeaways

In Kürze nochmal die wichtigsten Punkte zu den Google Plus Circles zusammengefasst:

  • Circles sind Kategorien für Freunde
  • Die Empfängergruppe jedes Statusupdates kann über diese Circles gesteuert werden
  • Es gibt drei Kritikpunkte bezüglich Circles
    1. Das Follower Konzept von Circles ist bisher Mist – ich muss entweder alle Nachrichten in meinem Stream „ertragen“ oder ich erreiche nicht alle meine Follower oder ich muss irrelevante Circle „nerven“ (was das komplette Konzept sinnlos macht). Hier besteht dringend Nachbesserungsbedarf!
    2. Der Namen „Circles“ ist für den deutschen Sprachgebrauch schlichtweg schlecht
    3. Durch Circles werden mir potenziell Nachrichten „vorenthalten“, wenn ich nich im entsprechenden Empfängercircle bin. Das kann schön sein (weil ich nicht wissen will, was Du gerade gegessen hast), das kann aber auch schlecht sein (weil du etwas mit deinem Social Media Circle teilst, ich aber nur in deinem SEO Circle bin). Wie bedeutend diese Komponente ist, wird sich zeigen.

So, meine Ergüsse zum Thema Circles bisher. Wie sieht’s bei euch aus? Was haltet ihr von dem Konzept? Wie kann man die oben angesprochenen Probleme lösen bzw. sind das aus eurer Sicht überhautp welche?

Hirnhamster

hat einen Bachelor in Angewandter Informatik und bloggt auf MySEOSolution regelmäßig zu Updates im Bereich der Suchmaschinenoptimierung. Außerdem freut er sich über Kontakte auf Google+ 🙂

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Kommentare (13)

  1. 1 Henning
    12. Juli 2011 um 11:47   

    Du benötigst keinen Circle „Unbekannte“. Theoretisch solltest du diese Leute einfach nicht hinzufügen, diese sehen dann deine _öffentlichen_ Posts in ihrem Main Stream oder dem entsprechendem Circle-Stream. Plus: du siehst deren updates nicht in deinem Main Stream (nicht hinzugefügt = nicht lesen wollen).
    Aus dem Flowchart hier ( http://ansonalex.com/tutorials/will-a-user-see-my-post-on-google-plus-google-flowchart/ ) kannst du entnehmen, wer was sieht. 😀

    Der Begriff „Kreis“ kommt übrigens von „Freundeskreis“, „Kollegenkreis“, „Bekanntenkreis“ usw. Find ich daher ganz passend.

  2. 2 Hirnhamster
    12. Juli 2011 um 12:07   

    Ja, genau das ist das Problem. Siehe sehen nur die _öffentlichen_ Posts. Ich will aber nicht alles _öffentlich_ posten, denn genau dafür hab ich ja die Circles. Sonst wäre das Konzept ja sinnlos. Also, wie schaffe ich das Spagat, meine Circles zu verwenden und gleichzeitig meine „Follower“ an meinen Updates teilhaben zu lassen _ohne_ sie im Stream zu haben?

  3. 3 precom BLOG
    12. Juli 2011 um 13:32   

    Am einfachsten wäre es doch, wenn es eine Einstellung gäbe, WAS im Main Stream angezeigt wird! Dann schließe ich einfach einen oder mehrere Kreise aus dem Main Stream aus und hab die volle Funktionalität des Circle-Prinzips!!!

  4. 4 Hirnhamster
    12. Juli 2011 um 13:42   

    Jo, das meinte ich eigentlich mit Circle „muten“ 😉

  5. 5 Thomas Thaler
    12. Juli 2011 um 16:28   

    Ja, ist mir auch etwas komisch vorgekommen. Wird sich (wie auch bei vielen Twitteranten) auf das Prinzip „ich folge dir-wehe du folgst mir nicht gleich zurück-da bist gleich wieder entfolgt“ einpendeln. Und das wundert mich auf Twitter auch schon seit langem.

    Aber es wird halt ein ureigenster menschlicher Trieb angesprochen: Wettbewerb. Schau dir mal die ganzen Rankings und Statistiken an, die wie die Schwammerln nach dem Regen aus dem Boden schiessen. Das törnt viele auf Twitter an – genauso wird es auf Google+ werden, bzw schon sein.

  6. 6 Jan Müller
    14. Juli 2011 um 14:17   

    Ja, ist schon irgendwie verwunderlich, dass Google „vergaß“ diese Option zu implementieren. Ob die da zu sehr bei Twitter abgeschaut haben?

  7. 7 NoW4Y
    24. Juli 2011 um 12:23   

    Komischerweise gibt es diese einstellungsmöglichkeit bei der Offiziellen App schon. Hier kann ich auswählen welche Kreise im Stream angezeigt werden.

  8. 8 Stefan
    25. Juli 2011 um 20:54   

    Hier hat Google das ganze wohl erst mal etwas unübersichtlich gestaltet. Es wird vielleicht ein wenig dauern bis auch die letzten User herausgefunden haben wie Google +1 genau funktioniert. Ich bin fest davon überzeugt das da noch die eine oder andere Zusatzfunktion hinzukommen wird.

  9. 9 nordmarketing Group
    02. August 2011 um 13:11   

    Lass das mal in Ruhe wachsen und gedeihen. Facebook und Rom wurden auch nicht an einem Tag erschaffen. Ich bin davon überzeugt, dass Facebook sich noch warm anziehen muß.

  10. 10 dorett
    02. Januar 2012 um 16:48   

    wie kann ich mich bei google circles wieder abmelden?

  11. 11 Hirnhamster
    02. Januar 2012 um 18:16   

    Wie du deinen kompletten Account löschen kannst, hat Björn unter http://bjoerntantau.com/so-gehts-google-plus-account-loeschen-29102011.html beschrieben. „Circles“ ist ja nur die Kategorisierungsfunktion von Google+ 😉

  12. 12 Sabrina
    02. Februar 2012 um 16:30   

    Hallo, mir gefällt sehr Dein Denkansatz bezüglich der Kreise: unbekannt/only follower etc. sehr gut. Gleiches ist mir jetzt bezüglich der Firmen-Seite aufgefallen. Es ist noch etwas schwer zu steuern. Gern würden wir ab und an Posts im Stream veröffentlichen, die wirklich nur jemand sehen kann, der uns zu einem Kreis hinzufügt – wir ihn im Gegenzug allerdings nicht extra hinzufügen müssen, damit wir auswählen können, dass eine Information für diese Follower exklusiv ist.
    Hat sich da schon was getan in den Features?? Ich konnte bis jetzt nichts finden und bin dankbar über jede Info. LG

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